Was muss ein  Scrum Master können? Zusammengefasst ist der Scrum Master Mentor, Lehrer, Coach und Unterstützer für das Scrum Team in einer Person. Er handelt und lehrt agile Praktiken und Prinzipien und lebt agile Werte vor.  Des Weiteren muss der Scrum Master theoretisches Wissen zu Scrum, Teamprozessen und Organisationsentwicklung, besitzen oder im Zweifel erlernen.

In einem der letzten Blogposts im Bereich „Agil“ ging es um das Thema „Aufgaben eines Scrum Masters“, in dem die Anforderungen an einen guten Scrum Master schon ausführlich beschrieben wurden. Nun stellt sich die Frage: Wie wählt man eigentlich einen geeigneten Scrum Master aus? Warum scheitern angehende Scrum Master immer wieder an den Herausforderungen dieser Rolle, welche doch eigentlich klar umrissen und beschrieben sind?

Die Entscheidung bezüglich der Wahl eines Scrum Masters  in Projekten ist oft schnell getroffen. Es heißt dann „…wir haben da jemanden … der wird das schon machen…“. Derjenige soll nun, die Rolle des Scrum Masters in einem neu aufgesetzten, agilen Projekt abbilden. Manchmal erlebe ich das Phänomen, dass einfach der Entwickler „gewählt“ wird, der scheinbar am wenigsten zur Entwicklung beitragen kann. Dies ist dann oft der jüngste, unerfahrenste und daher am wenigsten im Team anerkannte Kollege. Die Frage nach seiner Motivation und den entsprechenden Fähigkeiten für diese Rolle treten in den Hintergrund und es wird lediglich die Rolle besetzt, weil Scrum als Prozess das eben vorschreibt. Wenn man etwas darüber nachdenkt erschließt sich schnell wie wenig erfolgversprechend ein solches Vorgehen ist. Eine Rollenbeschreibung, in der definiert ist, was ein Scrum Master tun muss, um den Entwicklungsprozess nach Scrum sicherzustellen, ist zum Beispiel im frei verfügbaren Scrum Guide enthalten. So weit so gut. Da zum Ausfüllen dieser Rolle jedoch nicht nur Theorie und einfaches Umsetzen von Regeln gehören, sondern viel Übung und ein sehr differenziertes Anwenden des theoretischen Scrumwissens zum einen und eine breite Palette an Softskills, zum anderen,  ist das Scheitern leider in vielen Fällen vorprogrammiert. Anhand einiger Leitlinien, die ich angehenden Scrum Mastern in meinem Beratungsalltag oft an die Hand gebe, soll dies illustriert werden.

…“der Scrum Master weiß wie Scrum funktioniert“…

Zuerst einmal muss ein Scrum Master solides Grundlagenwissen zum Scrum Rahmenwerk erwerben und ausbauen. Es geht hier nicht nur um die Elemente und Wirkungsweisen des Rahmenwerks sondern insbesondere um das Verständnis des Zusammenspiels der einzelnen Teile. Dies stellt für Beginner die erste Hürde dar. Schnell wird klar, dass großes Eigeninteresse des angehenden Scrum Masters nötig ist, um sich von der Theorie zur Praxis durchzuarbeiten. Ohne diesen Einsatz ist es nicht möglich ein Team zu einer neuen Methodik zu coachen, wobei es am Anfang zwingend Hilfe benötigt. Zu wissen, wie die Regeln bei Scrum lauten, ist das eine. Etwas anderes ist es, sie in konkreten Situationen richtig anzuwenden oder das Team von der Richtigkeit der Anwendung zu überzeugen.

…“ der Scrum Master ist auch ein Changemanager“…

Gerade wenn es um das Verständnis und Leben des Wertekanons von Scrum geht, ist es mit einer bloßen Kenntnisnahme dieser Werte nicht getan. Bei der Einführung von Scrum geht es sehr stark darum, die gelebten Formen und Werte der Zusammenarbeit in Teams und Organisationen zu verändern. Der notwendige Mindchange muss über einen fortlaufenden Prozess gestaltet und geführt werden, um die gewünschte Veränderung in Gang zu setzen und nachhaltig zu verankern.

… „der Scrum Master ist auf die Aufgaben seiner Rolle fokussiert“…    

Für angehende Scrum Master ist eine Fokussierung auf ihre neue Rolle oft schwierig. Sobald technisches oder fachliches Knowhow in einer Situation als hilfreich erscheint, ist es für unerfahrene Personen sehr schwer, sich auf ihre eigentliche Aufgabe zu fokussieren. Verliert ein Scrum Master den Blick dafür seinem Team z.B. die Hilfe zur Selbsthilfe und den Wille zur Prozessverbesserungen im übergreifenden Sinne zu geben verliert ein Scrum-Team die Sicherheit die es hat, wenn es einen guten Scrum Master an seiner Seite weiß. Jemanden, der die nötige Distanz hat, den entscheidenden Schritt zurück zu treten, um Handlungsoptionen aufzuzeigen und eine Lösung durch das Team herbei zu führen.

…“ ein Scrum Master sollte pro-aktiv sein“…

Damit das Aussicht auf Erfolg hat, sollte der angehende Scrum Master eine pro-aktive Persönlichkeit sein. Eine introvertierte und eher zurückhaltend auftretende Person tut sich mit den Aufgaben und Herausforderungen, die gestellt werden, schwer. Ich habe in meiner Praxis schon oft angehende Scrum Master erlebt, die es zu Beginn ihrer Tätigkeit als anstrengend empfunden haben, unangenehme Themen im Team proaktiv anzusprechen oder Hierarchieebenen außer Acht zu lassen um für ihr Team in der Organisation aktiv zu werden. Wenn ein Handlungsbedarf offensichtlich wird, ist es oft nur noch möglich zu reagieren statt frühzeitig zu agieren. Dadurch gehen Handlungsoptionen verloren.

…”ein tiefes fachliches oder technisches Verständnis ist nicht unbedingt erforderlich”…

In vielen Scrum Teams hat der Scrum Master entweder einen fachlichen oder einen technischen Hintergrund. Im ersten Moment wird dies meistens als Vorteil gewertet, welcher der Rolle als Vermittler oder Moderator zugutekommen soll. Die Kernfrage ist aber, ob der Scrum Master in der Lage ist, sich bei Diskussionen zurückzunehmen und als Moderator zu agieren. Ich erlebe immer wieder Situationen, in denen der Scrum Master so tief in fachliche und / oder technische Fragen eintaucht, dass er seine eigentliche Funktion als Moderator und Unterstützer des Teams nicht mehr ausüben kann.

…“der Scrum Master ist unser Moderator“…

Oftmals hilft es dem Team jemanden zu haben, der mit etwas Abstand zur Fragestellung oder Situation den Sachverhalt neutral transparent machen kann. Der Scrum Master schafft durch seine Moderation  Raum für Lösungsmöglichkeiten und Ideen für deren Umsetzung. Dabei kann der Scrum Master eine eigene Meinung haben, darf diese jedoch nur einfließen lassen, wenn er dabei das primäre Ziel der Befähigung des Teams zur Selbstorganisation und zur eigenverantwortlichen Problemlösung, nicht aus den Augen verliert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es wichtig ist bei der immer wiederkehrenden Fokussierung auf einzelne Aufgaben den Blick für das große Ganze nicht zu verlieren. Ein Scrum Master benötigt eine große Palette an Fähigkeiten, um die ihm gestellten Aufgaben zu bewältigen. Bei keinem angehenden Scrum Master sind diese Fähigkeiten von Beginn an in Summe und gleicher Ausprägung vorhanden. Es gilt daher, einen Überblick zu bekommen wo die individuellen Fähigkeiten liegen und wie ein adäquater Entwicklungsprozess hin zur Rolle des Scrum Masters aussehen kann. Ohne eine positive Grundhaltung gegenüber der Rolle des Scrum Masters und der dafür benötigten Fähigkeiten und ohne ein hohes Eigeninteresse der Rolle gerecht zu werden, ist es schwer, das Ziel, ein guter Scrum Master zu sein, zu erreichen. Im Übrigen ist dies ein Entwicklungsprozess, der im Prinzip nie ein Ende finden wird.

Es erfordert oftmals großen Mut und Offenheit als dienende Führungskraft zu agieren. Die eigentliche Herausforderung liegt in den vielen Situationen, in denen sich der Scrum Master für das Team und die Sache in der richtigen Art und Weise einbringen oder zurücknehmen muss.

Die geschilderten Zusammenhänge machen klar, weswegen viele angehende Scrum Master zu Beginn scheitern oder sich bei ihrer Tätigkeit sehr schwer tun auch wenn die Rolle auf den ersten Blick klar beschrieben scheint. Darüber hinaus sind viele verschiedene Fähigkeiten und vor allem eine große persönliche Bereitschaft zu Lernen und zur Weiterentwicklung nötig.

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