Haben Sie auch schon mal eine Marktanalyse zum Thema BPMS gemacht? – Nein? Ich kam mittlerweile doch schon ein paar Mal in den Genuss, eine solche zu erstellen – im Zuge eines BPMS Auswahlverfahrens. Natürlich mit Kollegen und im Auftrag des Kunden. Mindestens für einen Teil des Marktes – beispielsweise für den deutschen. Um nicht immer die eigenen Ergebnisse vor- und zurück zu wälzen, habe ich vor kurzem die Vorstellung einer Marktanalyse des Fraunhofer-Institut IESE (siehe http://www.iese.fraunhofer.de/de/presse/current_releases/PM_2013_18_020913_bpm-suites.html) in diesem Bereich besucht. Ohne Krawatte hatte ich mich also aufgemacht nach Kaiserslautern, und war gespannt, was mir dort geboten wird – ob es vergleichbar wäre mit meinen Analysen? Welche Fragen würde der Experte dort gestellt haben? Welche Produkte hatten sie angeschaut? Und warum genau diese?

Dort angekommen, am Fraunhofer Platz, habe ich mir – und das überraschte mich – erst mal eine Krawatte gebunden (die ich zum Glück für die Not mit dabei hatte): Weit über 50% der Teilnehmer waren im Business-Dress aufgetaucht. Erst nach und nach wurde mir bewusst, dass vor allem auch Produkthersteller ein Interesse an der Vorstellung hatten. So hat mein Nachbar, (ein Mitentwickler eines BPMS-Herstellers) ebenso wie ich, die interessanten Slides abfotografiert. Dass es diese später als Hardcopy – und noch später als PDF zum Download geben würde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt zwar schon; jedoch hatten wir beide Angst, doch etwas verpassen zu können (und uns dann später nicht mehr zu erinnern).

Bevor es dann mit der Vorstellung der Ergebnisse losging, wurden noch einige Fachvorträge und Vorträge eines BPMS-Kunden (das gibt es!!) zum Besten gegeben. Insgesamt war es ein sehr gelungener Abend mit etwa 4h Präsentationen und leckeren Snacks.

Die Ergebnispräsentation hat mir sehr gut gefallen: Nach einer Einführung und Einordnung der Produkte am Anfang folgten die Stärken und Schwächen der Hersteller. Und ich musste feststellen, dass das Schema der Marktanalyse – und ebenso die Fazits (zu denen ich noch komme) in erschreckender Weise den meinigen ähnelte. Vor allem in den Fazits, ich sollte sagen: „Meta-Fazits“, habe ich mich sehr wieder gefunden.

Don’t shoot the messenger!

So ist ein Meta-Fazit: „Don’t shoot the messenger!“. Genau! Soll heißen: Jeder hat mal einen guten und auch mal einen schlechten Tag. Fällt die (unausweichliche) Produktpräsentation ins Wasser, so hat das nicht unbedingt etwas mit dem Produkt zu tun. Auf der anderen Seite darf man sich aber auch nicht von Super-Talenten um den Finger wickeln lassen, die technischen Tiefgang (für uns Techniker) mit kommunikativem Talent (für uns Techniker ;)) vereinen.

Haben wir etwas gelernt?

Das ist ein weiteres Meta-Fazit: Unglaublich aber wahr – wir haben etwas gelernt bei der Analyse oder Auswahl. Und das hat uns… da wir objektiv sind, hat es uns natürlich nicht beeinflusst. Mich übrigens auch nicht bei den Auswahlen und Analysen, die ich mit Kollegen durchgeführt habe. Wo kämen wir denn da hin! Im ernst:  es ist schwierig, das Gelernte nicht sofort anzuwenden – aber wenn man sich dessen bewusst ist, kann man den Effekt zumindest versuchen rauszurechnen.

Was ist eigentlich BPM?

Für mich habe ich mitgenommen, was ich in der Überschrift schon angedeutet habe: Die Ergebnisse einer Marktanalyse müssen interpretiert werden. Insbesondere im BPM(S)-Markt: Jeder versteht unter BPM etwas Anderes, auch heute noch. Für den einen sind es Hochglanz-Applikationen, die jedes noch so technische Attribut wunderschön und bunt und elegant darstellen können. Und das ganz ohne programmieren – aber doch im Corporate Design des Endkunden. Andere verstehen unter BPM die Einbindung verschiedener Systeme in einen umfassenden Prozess, der sich für die Optimierung eines Geschäftsvorfalls eignet. Wieder andere wollen alles, alles – wirklich alles in einem BPMS enthalten wissen: BRM (Business Rules Management), DM (Decision Management), BPMN 2.0 Vollständigkeit, fachliche Modellierung, technische Modellierung, Governance, Monitoring (fachliches als auch technisches), BAM (Business Activity Monitoring), Reporting, …

Letztendlich führt die Gewichtung der Fragen dann zwangsweise zu einer entsprechenden Bewertung. Die Marktanalyse des Fraunhofer IESE kann detailliert eingesehen werden unter: Fraunhofer_IESE_Studie_BPM-Suites2013.pdf. Zudem möchte ich an dieser Stelle auch anregen, einen Blick in einen von uns erstellten Artikel werfen: Sonderdruck_Objektspectrum_grundler_ruebesamen_2013_05.pdf.

Genauso, im Einklang mit meiner Welt, war auch das (von mir interpretierte) letzte Fazit, das in Kaiserslautern am Fraunhofer IESE gezogen wurde: Marktanalysen müssen interpretiert werden für die persönlichen bzw. spezifischen Belang des Kunden. Für mich bedeutet das, dass ich bei einer Auswahl genau dies tue – die speziellen Anforderungen des Kunden auf die verfügbaren Anbieter abzuprüfen. Und eine Marktanalyse kommt mir hierfür nur recht und ist hilfreich – daher ein Dankeschön an das Fraunhofer Institut!

Und nächstes Jahr werde ich natürlich wieder hingehen!

 

P.S.: Und jetzt hätte ich es fast vergessen – für die Zoomer und Liebhaber von bewegten Bildern gibt es folgendes – viel Spaß beim Ansehen!

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